An dieser Stelle möchte ich anhand einiger Eckpunkte skizzieren wofür (christlicher) Unitarismus steht.

Unitarismus

Der Begriff Unitarismus kommt aus dem Lateinischen (Unitas) und bedeutet Einheit. Der Begriff referiert auf die Ablehung der Trinität (Dreieinigkeit). Unitarier verstehen die Trinität als kirchliches Dogma, das nicht in der Bibel verankert ist. Jesus wird entsprechend nicht als Teil Gottes, sondern als Mensch und Messias verstanden (vgl. Mk 10,18; 1 Kor 8,6).

Präexistenz Christi

Für viele Unitarier folgt aus der Ablehnung der Trinität auch die Ablehnung einer Präexistenz Christi. Jesus war ein Mensch und hat insofern nicht schon vor seinem menschlichen Leben existieren können.

Sohn Gottes

Als Söhne Gottes werden in den biblischen Schriften Jesus Christus, das Volk Israel und einzelne Könige bezeichnet. Daneben findet sich auch der Ausdruck Kinder Gottes. Aus der Gottessohnschaft kann somit nicht gefolgert werden, dass Jesus selbst Teil Gottes wäre.

Gebet

Wie für andere Christen ist auch für Unitarier das Beten ein zentraler Bestandteil der eigenen Glaubenspraxis. Bekannt ist insbesondere das Vater Unser, das auf Jesus selbst zurückgehen soll. In der Geschichte des Unitarismus hat sich jedoch ein Dissens entwickelt, inwieweit auch Jesus als Sohn Gottes angerufen werden könne. Die unitarischen Nonadorantisten vertraten die Position, dass Jesus seine Jünger aufrief zu Gott, nicht jedoch zu ihm selbst zu beten.

Abendmal und Taufe

Das Abendmahl wird symbolhaft verstanden. Es findet also keine Umwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi statt (wie es die katholische Kirche versteht). Das Abendmahl ist stattdessen eine Erinnerungsfeier und soll den Gemeinschaftscharakter betonen. Die Taufe kann an Kindern wie auch an Erwachsenen vollzogen werden. Der frühe Unitarismus war noch stark von der Täuferbewegung beeinflusst, so dass viele die Kindertaufe als biblisch nicht begründbar abgelehnt haben. Auch unter nordamerikanischen Unitariern gab es Gemeinden, die die Taufe von Kindern ablehnten. Sowohl Taufe als auch Abendmahl sind äußere Symbole (Zeremonien). Entscheidend ist der innere Glaube.

Himmel und Hölle

Viele Unitarier lehnen die klassischen Vorstellungen von Himmel und Hölle (zum Beispiel als Ort ewiger Qualen) ab. Auch die Vorstellung des Teufels (als realer Gegenspieler Gottes) wird von den meisten Unitariern als unbiblisch verworfen. Der Teufel ist in dem Sinne eher eine mythische Personifikation des Bösen als eine reale Figur. Eine einheitliche theologische Aussage zum Leben nach dem Tod gibt es indes nicht.

Erbsünde

Die Unitarier lehnen die Vorstellung einer Erbsünde aller Menschen ab. Die Erbsünde ist nicht vereinbar mit Gottes Liebe und Gerechtigkeit. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass die Menschen ohne Sünde wären (vgl. 1 Joh. 1,8).

Freier Wille

Nach unitarischem Verständnis der biblischen Schriten haben die Menschen einen freien Willen (vgl. Gal 5,13).

Ethik

Ethisches Handeln ist ein zentraler Bestandteil unitarischen Selbstverständnisses (vgl. Mk 12,29-31). Wir sollen Gott und unsere Nächsten lieben wie uns selbst. Dies ist letztendlich Berufung aller Christen. Im frühen Unitarismus fanden sich zum Teil auch täuferisch-pazifistische Ansätze.

Schlichtheit

Unitarische Kirchen und Gemeindehäuser zeichnen sich durch eine relative Schlichtheit aus. Es gibt keine Heiligenbilder oder Kruxifixe. Statt eines Altars ist in der Regel ein Abendmahlstisch aufgestellt.

Feiertage

Wie andere Christen begehen auch Unitarier Feiertage wie Ostern und Himmelfahrt. Hinsichtlich des Weihnachtsfestes zeigt sich jedoch ein differentes Bild. So lehnten die nordamerikanischen Unitarier noch bis etwa 1830 das Feiern von Weihnachten als unbiblisch ab. Auf der anderen Seite waren es bedeutende Unitarier, die im Laufe des 19. Jahrhundert das puritanische Weihnachtsverbot durchbrachen. So verbreitete zum Beispiel der deutsch-amerikanische Unitarier Charles Follen im 19. Jahrhundert den Brauch des Weihnachtsbaums in Neuengland. Dennoch sollte bewusst sein, dass die biblischen Schriften keine Aussage zum Geburtsdatum Jesu machen und Weihnachten als ein zuvor nicht-christliches Fest adaptiert wurde (die frühen Christen kannten Weihnachten als christliches Fest nicht).

Sozinianismus

Der Sozinianismus bezeichnet eine Ausprägung des (polnisch-litauischen) Unitarismus, die auf die beiden Theologen Lelio und Fausto Sozzini zurückgeht. Der Sozinianismus betont die Verbindung von Glaube, Vernunft und Toleranz und hatte im 16. und 17. Jahrhundert großen Einfluss auf das Denken europäischer und nordamerikanischer Humanisten. Merkmale sind unter anderem die Verwerfung der Dreieinigkeit und eine rationalistische Bibelexegese. Über den Sozinianismus verbreitete sich die unitarische Idee unter anderem nach England und Nordamerika.

Universalismus

Der Universalismus ist nicht klassischer Bestandteil unitarischer Theologie, sondern etablierte sich im 18. Jahrhundert in Nordamerika als eigenständige protestantische Konfession. Universalisten glauben, dass kein Mensch von Gott aufgegeben wird (Allaussöhnung). 1961 schlossen sich die beiden großen unitarischen und universalistischen Kirchen in den USA zusammen und treten seitdem als Unitarier-Universalisten (UU) auf. Einher mit dem Einigungsprozess beider Kirchen ging eine Öffnung für nicht-christliche Glaubenskonzepte.

Unitarismus und Christentum

Der Unitarismus ist eine christliche Konfession, die auf die Reformationszeit zurückgeht. Einige unitarische Gemeinschaften haben sich jedoch seit dem späten 19. Jahrhundert auch für andere religiöse und philosophische Konzepte geöffnet und sich von ihrem christlichen Fundament gelöst. Nicht-christliche Unitarier definieren den Begriff Unitarismus zum Teil auch neu (zum Beispiel als Einheit der Natur). Hierbei lässt sich kritisch nachfragen, inwieweit nicht-christliche Unitarier überhaupt noch Anknüpfungspunkte zum Unitarismus haben.

Demgegenüber gibt es jedoch auch weiterhin Gemeinden und Gemeinschaften, die am reformatorischen Antitrinitarismus festhalten und sich bewusst als christlich-unitarisch verstehen.

Radikale Reformation

Als Radikale Reformation werden die kleineren (nonkonformistischen) reformatorischen Bewegungen bezeichnet, die sich neben der lutherischen und reformierten Kirche entwickelten. Darunter fallen unter anderem Thomas Müntzer, die Täufer und die Unitarier (Antitrinitarier). Viele radikale Reformatoren wollten die Reformation weiter führen und forderten mit Bezug auf die Bibel gesellschafts- und sozialpolitische Reformen, die Trennung von Staat und Kirche, die Aufgabe der Kindertaufe oder kirchlicher Dogmen wie die Trinität. Für viele von ihnen blieb die von Luther mit dem Schriftprinzip Sola Scriptura (≈allein durch die Schrift) angestoßene Reformation unvollendet. Von staatlicher und kirchlicher Seite wurde die Radikale Reformation massiv verfolgt. Bekanntes Beispiel ist der antitrinitarische Theologe und Arzt Michael Servet, der auf Calvins Initiative hin 1553 in Genf verbrannt wurde.

Bekenntnisschriften

Im Laufe der Zeit sind mehrere unitarische Bekenntnisschriften entstanden. Besonders verbreitet war der Rakauer Katechismus von 1605. Andere Beispiele sind die Katechismen des ungarischen Unitariers József Ferencz und des amerikanischen Unitariers Minot Judson Savage aus dem 19. Jahrhundert. Bindend für den Einzelnen sind diese Bekenntnisschriften indes nicht. Sie sind allein eine theologische Übereinkunft zu einer bestimmten Zeit (sie haben also einen anderen Charakter als zum Beispiel das Augsburger Bekenntnis für die lutherische Kirche). Auch heutige unitarische Kirchen formulieren gemeinsame Standpunkte (so zum Beispiel die Plattform der Unitarian Christian Church in Nordamerika).